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Presseartikel aus "Pankow Heute", Oktober 2007

Neuer Druck auf das Bezirksamt

Pankower Mäzen würde Garbáty und Kulturhaus kaufen

 

Das Bezirksamt hat von Anfang an Schwierigkeiten gehabt, die Weggabe des Kulturhauses und des Café Garbáty an das Tanzunternehmen Dock 11 den Pankowern zu begründen. Jetzt hat sich ein Investor bereit erklärt, das Garbáty oder auch beide Häuser für gutes Geld zu erwerben , um sie kulturell weiter zu nutzen, genau wie das sich die Pankower schon seit langem wünschen.

 

Das Land Berlin könnte ein gutes Geschäft machen und das Bezirksamt sich aus den Turbulenzen zu befreien, in die es sich selbst ohne Not gebracht hat. Diese Not begann vor mehr als zwei Jahren, nachdem das Bezirksamt die Verhandlungen mit dem Sieger der Ausschreibung für das Kulturhaus, dem bisherigen Betreiber des Garbáty, ins Leere laufen ließ.

 

Bei der daraufhin von der damaligen Kulturstadträtin Almuth Nehring-Venus (PDS) in Gang gesetzten neuen Ausschreibung gewann dann Dock 11, ein privates Tanzunternehmen aus Prenzlauer Berg. Ihm wurden durch das Bezirksamt freiwillig günstigere Bedingungen eingeräumt als anderen Mitbewerbern, etwa dem Humanistischen Verband. Außerdem machte das Bezirksamt Dock 11 den Weg frei, auch die Villa gleich neben dem Kulturhaus zu nutzen, indem es den langfristig angelegten Vertrag mit dem Café-Betreiber kündigte.

 

Seit dem Herbst vergangenen Jahres gibt es den Garbáty e.V., der seitdem versucht, das Garbáty zu retten. „Das Garbáty ist eine Pankower Kulturinstitution“, sagt Fanziska Kühne, die Vereinsvorsitzende. „Hier treten international renommierte Künstler auf, es ist ein wichtiger Treffpunkt der Berliner Musikszene.“ Das Garbáty sei der Treff der Pankower Szene und außerdem ein Ort zum Tanzen, wie es ihn im Bezirk kein zweites Mal gibt.

 

Es ist dem Bezirksamt bislang nicht gelungen darzustellen, worin der Vorteil für Pankow liegt, wenn Dock 11 das Kulturhaus Pankow übernimmt. Dock 11 hat einen gewissen Ruf als Plattform des modernen Ausdruckstanzes. Neben den hierfür akquirierten Fördergeldern finanziert sich der Verein hauptsächlich durch private Tanz- und Bewegungskurse. Die Versprechungen auf der Webseite des Vereins, was alles in Pankow möglich sei, wenn Dock 11 erst einmal das Kulturhaus hat, klingen eher vollmundig als überzeugend.

 

Zu welchen finanziellen Bedingungen genau Dock 11 das Kulturhaus und das Garbáty bekommen soll, liegt im Bezirksamt unter Verschluss. Es war die Rede von einem Erbbauvertrag und jährlichen Pachtzahlungen in einer Höhe wie sie das Bezirksamt bislang allein schon aus den Mieteinnahmen für das Garbáty bekommt, also etwa 30.000 Euro. Die künftigen Zahlungen könnten allerdings, wie in Berlin in solchen Fällen üblich, auch noch mit Kosten für die nötige Sanierung der Häuser verrechnet werden.

 

Der Garbáty-Verein kann dem Bezirksamt jetzt einen finanziell lukrativeren Vorschlag machen. „Wir haben einen Investor, der das Garbáty zu einem angemessenen Preis kaufen und kulturell wie bisher nutzen lassen würde“, sagt Franziska Kühne. Den Namen des Investors und den Preis will sie nicht nennen – noch nicht. „Das eine ist Vertrauens- und das andere Verhandlungssache.“ Es handele sich aber um einen Pankower, der bereits etliche Immobilien im Bezirk besitze und etwas für die Pankower Kultur tun wolle. Auch das Kulturhaus würde er kaufen, mit einer entsprechenden Verpflichtung.

 

„Ein entsprechendes Angebot liegt im Bezirksamt seit Monaten vor“, so Franziska Kühne weiter. „Das hat sich aber bislang nicht gerührt.“ Dabei könnte es auf einen Schlag alle Probleme loswerden, den Rechtstreit mit dem bisherigen Betreiber, die Auseinandersetzungen mit dem Verein und das wachsende Unverständnis bei den Pankowern für seine Politik. Außerdem könnte es etwas für die Bezirkskasse tun.

Einspruch: Garbáty ist Pankower Leuchtturm

von Joachim Pohl, Galerist in Pankow

 

Berlin ist arm an Geld, aber reich an Skandalen. Seien des die Landesbank oder das Tempodrom, die Berliner Politiker haben sich in den letzten Jahren nicht mit Ruhm bekleckert. Ein besonderer Skandal ist die vom Bezirksamt beabsichtigte Schließung des Café Garbáty. Hier wird ein erfolgreiches privates Kulturunternehmen kaputtgemacht und rausgeklagt, das in Pankow, in Berlin seinesgleichen sucht. Stattdessen soll einem privaten Tanzverein aus dem Prenzlauer Berg das Bett gemacht werden, um im Kulturhaus Pankow gelangweilten Studienratsgattinnen durch tänzerische Bewegungsübungen die Langeweile zu vertreiben. Dafür will das Bezirksamt das Kulturhaus hergeben und das Garbáty opfern. Wenn alle Pankower Unternehmen ihre Geschäfte so schlecht wie das Bezirksamt führten, gäbe es noch mehr Pleiten. Die Pankower City braucht mehr echte, bodenständige Kultur. Im Garbáty ist das sogar noch gepaart mi einem Hauch von Internationalität. Pankow braucht mehr Garbáty und nicht kein Garbáty. Sonst gehen in der Breiten Straße noch die letzten Lichter aus. Das sollten sich die Bezirkspolitiker hinter die Ohren schreiben. Wenn sie schon keine Einfälle haben, sollten sie die erfolgreichen Ideen anderer nicht torpedieren.

 

© 2007-2009 Garbáty e.V.