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Als das Kultur-Café im Frühjahr 2000 in der Breiten Straße eröffnet werden sollte, suchte Wolfgang Spors dafür einen Namen mit Bezug auf den Stadtteil Pankow.

 

Namensgeber wurde die Familie Garbáty. Josef Garbáty-Rosenthal, Deutscher jüdischen Glaubens, verlegte 1906 seine Zigarettenfabrik vor die Tore Berlins, mitten in das grüne Dorf Pankow. Er ließ auf dem heutigen Areal zwischen Berliner Straße und Hadlich-Straße verschiedene Fabrikanlagen bauen. Garbáty war ein modern und sozial denkender Unternehmer, der seinen Angestellten eine Arbeitslosenfürsorge bot und eine Betriebs-Kantine, eine Bibliothek, eine Betriebs-Zeitung, einen Sportclub und einen Werks-Chor einrichtete. Darüber hinaus war Josef Garbáty Hauptmäzen des jüdischen Waisenhauses in der Berliner Straße, in dem sich heute u.a. die Pankower Stadtbibliothek befindet. 1938 wurde die Zigarettenfabrik von Garbáty im Zuge der „Zwangs-Arisierung“ verkauft. Im Jahr darauf emigrierte die Familie nach Amerika.

 

Mehr als 60 Jahre später kam Thomas Garbáty, Enkel Josef Garbátys, anlässlich einer Ausstellung über die Zigaretten-Fabrik seines Großvaters nach Pankow. Bei dieser Gelegenheit bat ihn Wolfgang Spors , dem Kultur-Cafe den Namen „Garbáty“ geben zu dürfen. Thomas Garbáty willigte ein und legte Wert darauf, zur Eröffnung eingeladen zu werden. Sie wurde im Jahr 2000 die erste Ehrung dieser bedeutenden Pankower Familie, deren Wirken den Stadtteil stark geprägt hat.

 

Seitdem ist das „Garbáty“ ein kultureller Ort im Zentrum Pankows, inzwischen bundesweit bekannt. - Wolfgang Spors holt seit sechs Jahren Musiker aus aller Welt in den Pankower Kiez. Es kommen Künstler aus allen fünf Kontinenten und mehr als 130 Ländern in den kleinen Club mit der unverwechselbaren Atmosphäre, um zu musizieren.

 

Das „Garbáty“ in der denkmalgeschützten kleinen Villa mit dem einladenden, „Pankow- typischen“ Vorgarten überrascht vor allem Nicht-Berliner. Auffallend die im Jugendstil gehaltene Innenausstattung, besonders die Fenstergestaltung des Pankower Glas-Künstlers Harald Floren.

 

Bei Konzerthighlights drängen sich schon einmal bis zu 150 Gäste eng um die kleine Bühne. So erlebt man mitunter weltbekannte Musiker hautnah. Auf der anderen Seite bietet das Garbáty regelmäßig jungen, unbekannten Musikern und Bands aus Pankow, Berlin und dem Umland eine offene Bühne, ein interessiertes Publikum und eine Verdienstmöglichkeit.

 

Im Garbáty sind Blues, Soul, Rock, Boogie-Woogie, Singersongwriter ebenso zuhause wie Weltmusik, also Klezmer, Balkan-Brass, Reaggie, Sinti-Musik; und der Jazz in unterschiedlichsten Spielarten.

 

Bei solcher Musik sitzt man nicht still. Im Garbáty wird getanzt. Einen besonderen Abend, einmalig in Berlin, erlebt man bei: „Gestatten, alte Platten“. Einmal monatlich baut DJ „Grammophon“ seine historische Musik-Maschine auf und spielt von originalen Schellackplatten Tanzmusik von Swing, bis Boogie und Rock`n Roll. Bei den beliebten thematischen Tanzveranstaltungen legen bekannte DJ`s Swing, Boogie, Rock`n Roll oder Soul Klassiks auf . Das Alter der Besucher: zwischen 16 und 60.

 

Jeden Donnerstag ist Session, bei freiem Eintritt. Wer Lust hat zu musizieren, bringt sein Instrument mit und geht auf die offene Bühne. Diese spontan entstehenden, improvisierten Konzerte ziehen mit ihrer unverwechselbaren Atmosphäre Musiker und ihr Publikum an.

 

Das Garbáty versteht sich von Beginn an als Ort verschiedener Künste. An den Wänden wechseln sich Fotos ab mit Grafiken von Pankower und Berliner Künstlern. 2002 gastierte dort ein Jahr lang das „1. Philosophische Cafe Berlin“. Unter der Leitung von Jürgen Eger waren u.a. Professor Tembrock, Sarah Wagenknecht und Inge Vieth als Gesprächspartner zu Gast. Dichter finden im Garbáty ihr Podium für Lesungen, Liedermacher für Konzerte, Schauspieler für Revuen.

 

Auch junge Pankower Modemacherinnen führten im vergangenen Frühjahr unter großem Applaus ihre Kreationen auf der Tanzfläche des Garbáty vor. Im Oktober 2006 kamen im Rahmen des Projektforums: „Orte jüdischen Lebens in Berlin“ Studenten der großen Berliner Universitäten im Garbáty zusammen, zeigten die Ausstellung: „Verborgene Orte“ und diskutierten über Klezmer- Klischees und die Rolle jiddischer Musik in Berlin. Das Kultur-Café Garbáty ist ein Wohlfühlort und bietet jährlich ca.150 verschiedene Veranstaltungen, davon 30 Prozent bei freiem Eintritt.

 

Karin Ney (verantw.), Franziska Kühne, Ilonka Donat

 

 

 

© 2007-2009 Garbáty e.V.