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Statement von Christoph Tannert vom 21.11.06Gehaltene Rede am 21.11.2006 im Café Garbaty beim Solidaritätskonzert von Doug Wimbish
Wieder einmal ist in Berlin ein kleiner, aber feiner Ort der Begegnung in Gefahr, ein überegional bekannter Wohlfühlort, ein Ort für Lesungen, Ausstellungen und für aufstrebende Bands ohne Poserallüren. Man sollte in solchen Fällen ohne Umschweife deutlich machen, dass politisches Taktieren und das Austauschen von vagen Höflichkeitsadressen in diesem unwürdigen Schauspiel in Absurdistan den Karren nur noch tiefer in den Dreck schieben. Das Café Garbáty ist seit sechs Jahren ein akzeptierter, etablierter und erfolgreicher kultureller Veranstaltungsort mit Außenwirkung. Was kann es besseres geben in einem Kiez, in dem üblicherweise die träge Fließgeschwindigkeit eines Bächleins den Stundentakt begleitet.
Durch eine Verkettung ungünstiger Umstände soll ein Projekt, dass gezeigt hat, was Eigeninitiative vermag und das dem Bezirk pro Jahr noch 30.000 Euro Mieteinnahme beschert, dichtgemacht werden. In den Startlöchern lauert ein anderer bezirklicher Anbieter, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Leichtfüßigkeit zu trainieren, der dem Leben tänzerisch zu begegnen sucht - das in Prenzlauer Berg allseits wohltemperiert auftretende private Tanzstudio DOCK 11. Aber braucht dieser Bezirk ein verdoppeltes Angebot von Tanzlehrern und Esoterik-Animateuren? Ein DOCK 11 in Prenzlauer Berg soll einem zweiten, neu zu eröffnenden DOCK 11 in Pankow eine Harmlosigkeitsgarantie bieten. Ist das noch zu fassen?
Muss nicht vielleicht eher das Einmalige und Besondere erhalten werden? Das, was sonst keine Entsprechung hat? Wer z.B. die von Eddy Czesnick verantworteten Konzerte, und eben auch die heutigen Acts, erleben will, der muss ins Garbáty kommen. Wo sonst finden nicht gehypte junge Musiker in Berlin einen Auftrittsort? Wo sonst trifft Fotografie auf Philosophie, wo kommt Politik runter von ihrem Immunisierungsniveau und bewegt Menschen? Wer das Café Garbáty abfällig eine „Musikkneipe“ nennt, ist ein Tiefstapler oder Kostverächter, denn er übersieht, dass Rockkultur zum vernetzten Bodenbelag einer Gesellschaft gehört und längst kein Freilandgehege für Trommelfellgeschädigte mehr ist, sondern eine Mitgift des Existentiellen.
In Kreuzberg werden Hausbesetzer ohne Programm wie Exemplare einer aussterbenden Art vom Bezirksamt auf Händen getragen. Kulturproduzenten in Pankow dagegen will man ohne Not ihr Wirkungsfeld nehmen.
Wenn es hart auf hart kommt, schlage ich einen Tausch vor:
Da werden Millionen zur Subventionierung von Opern, die mit sog. Publikumsmagneten ihre Häuser doch nur leerspielen, zur Verfügung gestellt, aber Wolfgang Spors, der alle Anstrengungen unternimmt, weiter Programm zu machen, soll sich gefälligst selbst freischwimmen. Jährlich hat er ca. 150 Veranstaltungen, davon etwa ein Drittel eintrittsfrei, realisiert. Weder private noch kommunale Projekte haben in Pankow Vergleichbares anzubieten.
Also:
Frau Kulturstadträtin Nehring-Venus geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß! Verhandeln Sie weiter! Das Garbáty muß bleiben.
Christoph Tannert ist Geschäftsführer der Künstlerhaus Bethanien GmbH in Berlin-Kreuzberg |
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